Anamnese der jetzigen Erkrankung
Ein 31-jähriger, ansonsten gesunder Patient stellt sich mit Dyspnoe und schwerer Erschöpfung vor. Er berichtet, dass er sich bis vor etwa zwei Wochen, nach dem Rochester-Marathon, gesund fühlte. Er nimmt regelmäßig an Triathlons teil. Versuchte heute Morgen zu joggen, musste aber nach einer Minute wegen Dyspnoe abbrechen. Es werden keine kürzlichen Stürze, Verletzungen oder relevanten Vorerkrankungen berichtet.

Verlauf in der Notaufnahme
Initiale Beurteilung & erster Herzstillstand
Der Patient verliert während der Blutentnahme plötzlich das Bewusstsein und wird pulslos.
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Initiale Beurteilung & erster Herzstillstand
Der Patient verliert während der Blutentnahme plötzlich das Bewusstsein und wird pulslos.
Klinische Entscheidungsfindung
Der Patient entwickelte eine pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT). Angesichts seines Alters und seiner Fitness ist ein akuter Myokardinfarkt (AMI) weniger wahrscheinlich, aber möglich. Eine sofortige Defibrillation ist erforderlich, um einen perfundierenden Rhythmus wiederherzustellen.
Diagnostik & Befunde
- Schnellbeurteilung ('Quick Look') mit Defibrillator-Paddles
- Blutentnahme eingeleitet (EDTA und Serum)
Befunde:
- Ventrikuläre Tachykardie (VT) auf dem Monitor
Maßnahmen
- Nitroglycerin sublingual (vor dem Arrest verabreicht)
- Defibrillation mit 200 Joule
⮑ Verlauf & Reassessment
Rückkehr in den normalen Sinusrhythmus (NSR) nach einem Schock. Der Patient erlangte das Bewusstsein zurück.
Klinische Medien

Zweiter Herzstillstand & empirische Therapie
Patient stöhnt auf und zeigt kurz nach der ersten Reanimation wieder VT auf dem Monitor.
Zweiter Herzstillstand & empirische Therapie
Patient stöhnt auf und zeigt kurz nach der ersten Reanimation wieder VT auf dem Monitor.
Klinische Entscheidungsfindung
Rezidivierende VT. Der Monitor zeigt nach dem Schock verbreiterte QRS-Komplexe und zeltförmige T-Wellen, die klassische Zeichen einer schweren Hyperkaliämie sind. Angesichts der Anamnese einer extremen körperlichen Belastung hat der Patient wahrscheinlich eine Rhabdomyolyse, die zu einem akuten Nierenversagen (ANV) und einer Kaliumretention führt. Eine sofortige Stabilisierung der Myokardmembran mit Calciumgluconat ist erforderlich, noch vor der laborchemischen Bestätigung, wobei Bedenken der Kollegen bezüglich einer Hyperkalzämie ignoriert werden müssen.
Diagnostik & Befunde
- Kontinuierliches EKG-Monitoring
- Point-of-Care-Labor (POCT / i-STAT) (ausstehend)
Befunde:
- Rezidivierende ventrikuläre Tachykardie
- Verbreiterte QRS-Komplexe und zeltförmige (hohe, spitze) T-Wellen im EKG nach dem Schock
Maßnahmen
- Defibrillation mit 200 Joule
- O2 über Nasenbrille mit 5 l/min
- 1 Gramm Calciumgluconat als IV-Bolus (empirisch)
⮑ Verlauf & Reassessment
Rückkehr in den Sinusrhythmus nach dem Schock. Der QRS-Komplex verschmälerte sich sofort nach der Verabreichung von Calciumgluconat. Der Patient wurde vorübergehend stabilisiert.
Laborbestätigung & medikamentöses Management
Die POCT-Laborergebnisse liegen vor und bestätigen die vermutete metabolische Entgleisung.
Laborbestätigung & medikamentöses Management
Die POCT-Laborergebnisse liegen vor und bestätigen die vermutete metabolische Entgleisung.
Klinische Entscheidungsfindung
Das Labor bestätigt eine lebensbedrohliche Hyperkaliämie und ein akutes Nierenversagen. Calciumgluconat hat das Myokard stabilisiert, aber das Kalium muss durch Insulin und Glukose sofort intrazellulär geshiftet werden. Die definitive Behandlung für diesen Grad an Nierenversagen und Hyperkaliämie ist die Hämodialyse. Zur Durchführung muss ein zentraler Venenkatheter (Shaldon-/Quinton-Katheter) gelegt werden.
Diagnostik & Befunde
- Auswertung der i-STAT-Blutanalyse
Befunde:
- Kalium 7,7 mmol/l
- Kreatinin 5,6 mg/dl (ca. 495 µmol/l)
Maßnahmen
- 10 IE Normalinsulin IV
- 25 Gramm Glukose IV
- Vorbereitung für die sonografisch gesteuerte Anlage eines femoralen Dialysekatheters
- Konsiliaranforderung Nephrologie für Notfall-Hämodialyse
⮑ Verlauf & Reassessment
Medikamente zur Überbrückung des Patienten verabreicht, bis Dialysegerät und Fachpersonal eintreffen.
Patientenaufklärung am Bett
Der Patient ist wach und fragt, warum sein Herz geschockt wurde.
Patientenaufklärung am Bett
Der Patient ist wach und fragt, warum sein Herz geschockt wurde.
Klinische Entscheidungsfindung
Der Patient muss über seinen Zustand aufgeklärt werden, um die Schwere der Überanstrengung ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu verstehen. Dies soll die Compliance für die anstehende Dialyse und zukünftige Präventivmaßnahmen sicherstellen.
Diagnostik & Befunde
Maßnahmen
- Aufklärung des Patienten über Muskelabbau (Myoglobin) und die dadurch bedingte Nierenschädigung
- Erklärung, wie ein Kaliumüberschuss zu elektrischen Herzproblemen führt
- Beratung über die Notwendigkeit einer Dialyse zur Kaliumelimination und Nierenerholung (1-2 Wochen)