Anamnese der jetzigen Erkrankung
Hank ist ein Bauarbeiter, der vom Rettungsdienst in den Schockraum eingeliefert wurde, nachdem er eine penetrierende Verletzung des linken Thorax durch einen Druckluftnagler erlitten hat. Die Verletzung ereignete sich während eines „Handgemenges“ mit seinem Kollegen Joey, der die Nagelpistole zunächst aus Spaß auf seinen Kopf richtete. Hank klagt über starke Schmerzen. Keine Dauermedikation oder Allergien bekannt.

Verlauf in der Notaufnahme
Initiale Beurteilung & Stabilisierung
Eintreffen des Patienten im Schockraum (Level-1-Trauma) wegen einer penetrierenden Thoraxverletzung.
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Initiale Beurteilung & Stabilisierung
Eintreffen des Patienten im Schockraum (Level-1-Trauma) wegen einer penetrierenden Thoraxverletzung.
Klinische Entscheidungsfindung
Der Nagel befindet sich über dem Präkordium, was hochgradig verdächtig für eine intrakardiale Penetration ist. Der Nagel stabilisiert die Wunde als Tamponade und verhindert eine massive Blutung; eine vorzeitige Entfernung wäre tödlich. Tachykardie und grenzwertiger Blutdruck deuten auf eine drohende Dekompensation hin. Indikation für sofortigen POCUS zur Untersuchung auf Perikarderguss/Herztamponade, Analgesie und sofortige OP-Vorbereitung.
Diagnostik & Befunde
- Point-of-Care-Ultraschall (POCUS) FAST-Protokoll
Befunde:
- Nagel erscheint intrakardial gelegen.
- Kleiner Perikarderguss im Ultraschall darstellbar.
- Kein Anhalt für eine Herztamponade bei der initialen Untersuchung.
Maßnahmen
- Nagel in situ belassen und stabilisiert.
- Gabe von 2 mg Morphin i.v.
- 2 Erythrozytenkonzentrate (Vollblut) auf Abruf bereitgestellt.
- Konsil an OP-Saal für sofortigen herzchirurgischen Eingriff.
⮑ Verlauf & Reassessment
Patient bleibt hochgradig agitiert, fordert die Entfernung des Nagels und droht zu gehen. Die grenzwertige Hämodynamik konnte lange genug aufrechterhalten werden, um eine Rapid Sequence Induction (RSI) vorzubereiten.
Klinische Medien

Eingriff (Atemwegsmanagement)
Erwarteter hämodynamischer Kollaps und Notwendigkeit eines Notfalleingriffs.
Eingriff (Atemwegsmanagement)
Erwarteter hämodynamischer Kollaps und Notwendigkeit eines Notfalleingriffs.
Klinische Entscheidungsfindung
Der Patient benötigt eine sofortige Verlegung in den OP. Angesichts des Risikos einer plötzlichen Herztamponade und eines Atemwegsverlusts ist eine prophylaktische Rapid Sequence Induction (RSI / Blitzintubation) indiziert. Ketamin wird für die Narkoseeinleitung aufgrund seines sympathomimetischen Profils gewählt, um den noch verbliebenen Blutdruck des Patienten zu erhalten, kombiniert mit Succinylcholin für eine rasche Muskelrelaxation.
Diagnostik & Befunde
Befunde:
- Gute Einstellung der Glottis mittels Videolaryngoskopie.
Maßnahmen
- Gabe von 100 mg Ketamin und 120 mg Succinylcholin.
- Endotracheale Intubation durchgeführt durch Javadi unter Supervision.
⮑ Verlauf & Reassessment
Intubation erfolgreich. Atemweg sicher etabliert.
Klinischer Einbruch & Chirurgische Resuszitation
Plötzliche, hochgradige Hypotension. Kontroll-Ultraschall zeigt einen zunehmenden Erguss mit rechtsventrikulärem (RV) Kollaps.
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Klinischer Einbruch & Chirurgische Resuszitation
Plötzliche, hochgradige Hypotension. Kontroll-Ultraschall zeigt einen zunehmenden Erguss mit rechtsventrikulärem (RV) Kollaps.
Klinische Entscheidungsfindung
Der Patient hat eine fulminante Herztamponade entwickelt. Der Herzbeutel hat sich mit Blut gefüllt und übt einen so starken Druck aus, dass der rechte Ventrikel sich während der Diastole nicht mehr füllen kann, was einen kardiogenen Schock auslöst. Eine Perikardpunktion könnte erwogen werden, aber bei einem in situ belassenen Fremdkörper und raschem Kollaps ist eine sofortige resuszitative links-anterolaterale Thorakotomie zwingend erforderlich, um den Druck manuell zu entlasten, den Gegenstand zu entfernen und das Myokard zu nähen. Eine selektive Intubation des rechten Hauptbronchus wird gezielt angewandt, um den linken Lungenflügel absichtlich kollabieren zu lassen und ihn aus dem Operationssitus fernzuhalten.
Diagnostik & Befunde
- Kontroll-POCUS
Befunde:
- Zunehmender Perikarderguss.
- Kollaps des rechten Ventrikels (RV) in der Diastole.
- Einzelne Stichwunde im linken Ventrikel identifiziert.
Maßnahmen
- Vorschieben des Tubus in den rechten Hauptbronchus (endobronchiale Intubation rechts).
- Einleitung einer Massivtransfusion (Vollblut über Hochfluss-Druckinfusionssystem).
- Durchführung einer resuszitativen links-anterolateralen Thorakotomie.
- Inzision am Oberrand der Rippe, um das neurovaskuläre Bündel zu schonen.
- Einsetzen eines Finochietto-Rippensperrers.
- Perikardiotomie zur Entlastung der Tamponade.
- Extraktion des intakten Zimmermannsnagels.
- Sofortiger digitaler Verschluss der linksventrikulären Stichwunde durch Kompression mit dem Finger.
- Anlegen einer horizontalen Matratzennaht (U-Naht, 2-0 Prolene mit Rundkörpernadel) zur definitiven Hämostase.
⮑ Verlauf & Reassessment
Erste Bluteinheit infundiert. Blutdruck besserte sich rapide. Der Herzmuskel füllte sich gut mit exzellenter Hämostase an der ventrikulären Nahtstelle. Der Patient wurde in feuchte, sterile Tücher gehüllt und zur endgültigen chirurgischen Versorgung (Herz-Thorax-Chirurgie) direkt in den OP verlegt.
Klinische Medien


Diagnosen & Disposition
Diagnosen im Verlauf
- [S01E03]Penetrierendes Herztrauma (Linker Ventrikel)
- [S01E03]Akute Perikardtamponade
Aktuelle Disposition
Nach erfolgreicher Schockraum-Thorakotomie und Stabilisierung in den Operationssaal (Herz-Thorax-Chirurgie) verlegt.
Fallanalyse
Episodenkontext
Hanks Fall fungiert als der adrenalingeladene „Lebensretter des Tages“-Trauma-Handlungsbogen der Episode. Er demonstriert Dr. Garcias kühle Kompetenz und ihre aggressiven chirurgischen Fähigkeiten. Zudem bietet der Fall einen lehrreichen Moment unter höchstem Druck für den Assistenzarzt Dr. Santos.
Oberärztliche Beurteilung
Medizinische Genauigkeit
Die medizinische Darstellung ist außergewöhnlich präzise. Ketamin ist das korrekte Einleitungsmedikament für einen hämodynamisch instabilen Traumapatienten. Der Ultraschallbefund des „rechtsventrikulären Kollapses“ ist das pathophysiologische Kennzeichen einer Herztamponade. Die Entscheidung, den Tubus in den rechten Hauptbronchus vorzuschieben, ist ein hochgradig realistisches, taktisch fortgeschrittenes Manöver, um die linke Lunge gezielt kollabieren zu lassen und eine bessere chirurgische Übersicht bei einer linksseitigen Thorakotomie zu gewinnen. Der anatomische Lehrsatz, am Oberrand der Rippe zu schneiden (zur Schonung von Interkostalvene, -arterie und -nerv), ist absolut korrekt.
Klinische Pearls
Bei einem penetrierenden Thoraxtrauma darf das impalierte Objekt niemals in der Notaufnahme entfernt werden, bevor nicht eine definitive chirurgische Freilegung und Blutungskontrolle gesichert ist.
Das früheste echokardiographische Zeichen einer Herztamponade ist oft der systolische Kollaps des rechten Vorhofs (RA), aber der diastolische Kollaps des rechten Ventrikels (RV) ist hochspezifisch und weist auf einen unmittelbar drohenden hämodynamischen Einbruch hin.
Bei der Durchführung einer Thorakotomie oder der Anlage einer Thoraxdrainage muss immer über dem Oberrand der unteren Rippe präpariert werden, um das neurovaskuläre Bündel (VAN - Vene, Arterie, Nerv) zu schonen, das im Sulcus costalis am Unterrand der Rippe verläuft.
Wahl der RSI beim Trauma: Bei Traumapatienten mit grenzwertiger Hämodynamik oder Verdacht auf Herztamponade ist Ketamin das bevorzugte Einleitungsmedikament. Seine sympathomimetischen Eigenschaften bewahren die endogene Katecholaminausschüttung, um Herzfrequenz und Blutdruck aufrechtzuerhalten (im Gegensatz zu Propofol, das eine profunde Hypotension verursacht). In Kombination mit Succinylcholin bewirkt es eine extrem schnelle neuromuskuläre Blockade (30-60 Sekunden), wodurch die Atemwege sicher und rasch gesichert werden können, bevor der kardiovaskuläre Kollaps eintritt.
Die selektive Intubation des rechten Hauptbronchus (Vorschieben des Endotrachealtubus in den rechten Hauptbronchus), die normalerweise eine ungewollte Komplikation darstellt, kann absichtlich als improvisierte Strategie zur Einlungenventilation („poor-man's single-lung ventilation“) eingesetzt werden, um die linke Lunge bei Notfall-Operationen im linken Thorax aus dem Situs zu verdrängen.
Arbeitsteilung bei der resuszitativen Thorakotomie: Eine resuszitative Thorakotomie beginnt immer auf der linken Seite (anterolateral), da dies den schnellsten Zugang zum Herzen und zur Aorta descendens (zum Abklemmen) bietet. Wenn die Freilegung erweitert werden muss, um rechtsseitige Verletzungen zu versorgen, wird die Inzision quer über das Sternum verlängert, um eine „Clamshell-Thorakotomie“ zu schaffen. In großen Traumazentren sind die Rollen klar verteilt, um ein physisches Gedränge zu vermeiden: Die Traumatologie/Unfallchirurgie übernimmt primär die linke Seite (Versorgung von Herz und Aorta), während der Notfallmediziner die rechte Seite übernimmt, um die Lunge zurückzuhalten oder den rechten Thorax zu packen.


